Freitauchen in Schweizer Seen hat einen ganz eigenen Charakter. Im Gegensatz zum Meer verändert sich hier vieles mit Jahreszeit, Tiefe und Wetter. Wer diese Bedingungen versteht, kann das Training sicherer planen und die besondere Atmosphäre unter Wasser im See geniessen.

Der See: Farbe, Schichtung und Sicht
Schweizer Seen wirken unter Wasser oft grünlich. Das liegt an Schwebstoffen, Algen und Mineralien im Wasser. Besonders im Sommer ist das Oberflächenwasser warm – in manchen Seen erreicht es bis zu etwa 25 °C.
Nach ungefähr 12 bis 15 Metern Tiefe wird das Wasser jedoch deutlich kälter. Dort beginnt die sogenannte Sprungschicht (Temperaturschichtung). Diese Grenze spürt man oft sehr deutlich beim Abtauchen und sieht sie sogar wie ein Flimmern.
Auch die Sichtweite verändert sich stark. Im Sommer ist das Wasser an der Oberfläche häufig trüber. Die Sicht kann dann zwischen 1 und 7 Metern liegen. In grösserer Tiefe oder in kälteren Jahreszeiten wird das Wasser oft klarer.
Im Winter sinkt die Wassertemperatur vieler Seen auf 6–7 °C, dafür ist das Wasser häufig besonders klar.
Tipp
Für sicheres Freitauchen sind mindestens etwa 3 Meter Sichtweite sinnvoll, damit der Buddy den Taucher zuverlässig sichern kann und nicht in ihn hinein schwimmt. Bei weniger Sicht kann man durch gute Kommunikation und mit Erfahrung immer noch tauchen, aber das Entgegentauchen wird nicht mehr empfohlen.
Wetter und lokale Bedingungen
Beim Freitauchen im See kann das Wetter eine wichtige Rolle spielen. Besonders zu beachten sind lokale Sturmwarnungen, die an grösseren Hafeneinfahrten angebracht sind. In der Schweiz gibt es dafür ein offizielles Signalsystem mit Blinklichtern, das vor aufkommenden Stürmen warnt. Das Gefährlichste bei einem Sturm ist der Blitzschlag: Bei Blitzschlag sollte man sofort aus dem Wasser steigen und sich nicht im Freien aufhalten.
Starker Wind kann Wellen und Strömungen erzeugen, was den Einstieg ins Wasser oder die Rückkehr zum Ufer erschwert. Manchmal können Wellen jedoch auch mystische und schöne Stimmungen schaffen.
Tipp
Informiere dich vor jedem Training oder Tauchgang über lokale Wetterprognosen, besonders im Sommer, wenn Gewitter schnell entstehen können.

«Da sieht man ja nichts» - Leben in See
Auch wenn Seen oft ruhiger wirken als das Meer, sind sie im Sommer ziemlich belebt. Häufig sieht man den Flussbarsch, das sogenannte «Egli». Und mit etwas Glück auch Hechte, Karpfen und Welse.
Am Boden leben oft Krebse. In vielen Seen findet man inzwischen auch Quagga-Muscheln, eine invasive Muschelart, die sich stark ausbreitet. Viele der Krebsarten sind ebenfalls invasiv.
Im Winter sind meist weniger Fische unterwegs, da viele Arten sich zurückziehen und eine Art Winterschlaf halten.
Pflanzen gibt es auch, besonders in den ersten zehn Metern Wassertiefe, und sie sind wunderschön grün. Hat man etwas mehr Zeit, kann man in den Pflanzen auch Wasserschnecken und kleinere Fische wie Spitzlinge entdecken.
Tipp
Freitaucher müssen regungslos sein, damit die Fische nicht davonsausen. Bewege dich ruhig und langsam. Viele Fische bleiben länger in deiner Nähe, wenn du entspannt und ohne hektische Bewegungen tauchst. Wenn du Fische beobachten möchtest, nimm genügend Blei mit, damit du am Grund etwas verweilen kannst.
Die Boje und das Seil
Für jegliche Art von Tiefentraining wird wie im Meer eine Boje mit Seil verwendet. Am Ende des Seils hängt ein Gewicht (meist etwa 6–14 kg). Je nach Disziplin kann mehr Gewicht nötig sein.
Es gibt zwei Möglichkeiten:
- Freischwimmende Boje
Die Grundströmung im See wird dich manchmal schnell manchmal weniger abtreiben
- Gewicht am Boden lassen
Der Vorteil einer festen Verankerung besteht darin, dass man nicht durch die Strömung langsam vom Einstiegspunkt wegdriftet und später alles zurückschwimmen oder tragen muss. Dafür liegt das Seil manchmal schräg.
Tipp
Wenn das Gewicht auf dem Boden liegt, lass etwas lockeres Seil hängen. Sonst schwebt die Boje schnell mit dem Gewicht und man tuckert unbemerkt davon.

Kommunikation am Seil
Beim Training am Seil im See wird über Zugzeichen am Seil kommuniziert. Der Buddy muss das Seil festhalten, sonst spürt er die Zeichen nicht. Das liegt daran, dass wir selten so gute Sicht haben, um unseren Buddy am Drehpunkt zu sehen – deshalb fühlen wir.
Meistens ziehen wir einmal, wenn wir hochkommen, doch es gibt auch Taucher, die ziehen, wenn sie unten sind, und ein zweites Mal, wenn sie hochkommen.
Bei grösseren Tiefen sollten die Zeichen vereinfacht werden, da starkes Ziehen Energie kostet und eine gewisse Verletzungsgefahr birgt.
Ab etwa 24 m Tiefe wird oft ganz auf Ziehsignale verzichtet und stattdessen mit Zeitangaben gearbeitet.
Falls ihr mal nur vom Ufer aus Fische beobachten und erkunden wollt, ist es trotzdem ratsam, eine Oberflächenboje mitzunehmen. Es gibt sogenannte Torpedos, die man bequem mit einer Leine mitführen kann (Die Leine immer nur mit einem Schnellverschluss oder Klett anmachen!). Auch hier gilt: Kommunikation mit dem Buddy ist alles, denn im trüben See jemanden zu suchen, ist schwierig. Freitauchen birgt nun mal immer ein Risiko, das wir nur mit guter Sicherung entschärfen können.
Tipp
Einigt euch vor jedem Training auf klare Kommunikationssignale, damit jeder weiss, auf was zu achten ist.
Der richtige Neoprenanzug
Seen sind meist deutlich kälter als das Meer. Daher spielt der Neoprenanzug eine grosse Rolle. Bevorzugt wird ein Freedive-Anzug mit einer Open-Cell-Neoprenseite im Inneren. Zu Beginn kann man jedoch mit jedem eng anliegenden Anzug freitauchen, der die Schultern gut beweglich lässt.
Eine grobe Orientierung:
- 3 mm Anzug: etwa 26 - 18 °C
- 5 mm Anzug: etwa 22 - 14 °C
- 7 mm Anzug: für sehr kalte Bedingungen
Diese Werte sind nur Richtlinien. Menschen reagieren unterschiedlich auf Kälte.
Tipp
Ein 5 mm dicker Neoprenanzug eignet sich für fast jede Temperatur. Man merkt schnell, ob man zusätzlich einen dünneren oder dickeren benötigt, je nachdem, ob «Gfrörli» oder «Hitzgi».
Und zu guter Letzt: Kälte und ihre Auswirkungen auf das Freitauchen
Kälte beeinflusst auch die Tauchzeiten. Der Körper verbraucht mehr Energie, um die Körpertemperatur zu halten. Gleichzeitig führt Kälte oft zu Muskelanspannung und schnellerem Atemrhythmus.
Beides erhöht den Sauerstoffverbrauch und kann dazu führen, dass Tauchgänge kürzer werden. Also wundere dich nicht, wenn deine Leistung im Winter nicht der im Sommer entspricht.
Tipp
Plane im kalten Wasser kürzere Sessions und nimm ein warmes Getränk mit. Mein «Muss» im Winter ist eine isolierende Umziehmatte.
Freitauchen in Schweizer Seen hat seinen ganz eigene Mystik. Das Wasser ist oft grünlich, die Sicht verändert sich ständig, schon ein paar Meter tiefer kann es plötzlich deutlich kälter werden und aus dem nichts tauchen Eglischwärme auf. Genau diese Mischung macht das Training im See so spannend. Wenn man die Bedingungen kennt und ein paar Dinge beachtet, kann man hier unglaublich schöne und entspannte Trainings erleben.


