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Denise Keller

Leistung beim FreitauchenFlow Zustand

Warum Entspannung deine Leistung steigert

Denise Keller
Denise Keller
PADI IDC Staff Instructor | PADI Freedive Instructor

Warum tauchen viele Freediver länger und weiter, wenn sie langsamer schwimmen?

Das Paradox im Freitauchen

In vielen Sportarten wird Leistung mit Anstrengung verbunden. Man trainiert härter, bewegt sich schneller und besser oder setzt mehr Kraft ein. Im Freitauchen funktioniert Leistung jedoch oft genau umgekehrt. Natürlich muss man die Bewegungen lernen und effizient ausführen, doch nach einer kurzen Zeit des anfänglichen Übens gilt bald die Devise: Je entspannter dein Körper ist, desto effizienter nutzt er den vorhandenen Sauerstoff. Ein ruhiger Puls, entspannte Muskeln und eine ruhige Atmung helfen dir, länger unter Wasser zu bleiben. Beim Freitauchen bringt nicht maximale Anstrengung die beste Leistung, sondern ein Zustand von Ruhe, Kontrolle, Loslassen und Vertrauen.

Was im Körper passiert

Beim Freitauchen wird von Anfang an mit Entspannungstechniken geübt, um für die Tauchgänge entspannter zu werden, den Puls zu senken oder einfach den Kopf abzuschalten.

Denn wenn du dich entspannst, aktiviert sich das parasympathische Nervensystem – der Teil des Nervensystems, der für Ruhe und Regeneration zuständig ist. Der Puls sinkt, und der Körper beginnt, bewusster mit Sauerstoff umzugehen. Gleichzeitig können sich die Muskeln entspannen, was zu beachtlichen Energieeinsparungen führt.

Und zusätzlich wird beim Eintauchen ins Wasser der sogenannte Mammalian Dive Reflex (Säugetier Reflex) ausgelöst. Dieser natürliche Reflex hilft dem Körper, Sauerstoff zu sparen und wichtige Organe wie das Gehirn zu schützen. All diese Prozesse unterstützen dich dabei, länger und effizienter zu tauchen.

Warum Stress Leistung reduziert

Stress hat nicht nur im Freitauchen einen direkten Einfluss auf die Leistung. Wenn du angespannt bist, steigt dein Puls und dein Körper verbraucht schneller Sauerstoff. Gleichzeitig nimmt die Muskelspannung zu, wodurch Bewegungen weniger effizient werden können. Auch CO₂ baut sich schneller auf, was den Atemreiz verstärkt. Beim Freitauchen führt das dazu, dass sich ein Tauchgang früher unangenehm anfühlt und oft früher beendet werden muss.

Gleichzeitig gehört, wie in jeder Sportart, auch eine gewisse Aktivierung dazu. Für Bewegung und Leistung braucht der Körper einen etwas erhöhten Puls und genügend CO₂, damit die Muskeln effizient arbeiten können. Entscheidend ist deshalb das richtige Gleichgewicht zwischen Entspannung und Aktivität.

Viele Freediver erleben diesen Moment besonders beim Streckentauchen: Man bewegt sich ruhiger und langsamer, kommt aber trotzdem weiter als zuvor. Spätestens dann wird spürbar, was Flow bedeutet – ein Zustand, in dem Wahrnehmung, Ruhe und Bewegung optimal zusammenarbeiten.

Der Flow-Zustand

Der Flow-Zustand beschreibt einen mentalen Zustand, in dem Konzentration und Handlung perfekt zusammenarbeiten. Die Aufmerksamkeit ist vollständig auf den Moment gerichtet und störende Gedanken treten in den Hintergrund. Bewegungen sowie zielorientierte Abläufe laufen ruhig und automatisch ab, ohne dass man bewusst darüber nachdenken muss. Viele Menschen erleben dabei auch ein verändertes Zeitgefühl. In diesem Zustand arbeitet der Körper besonders effizient. Deshalb berichten viele Sportler, dass ihre besten Leistungen genau in solchen Momenten entstehen.

Eine meditative Erfahrung, bei der kontrollierte Bewegung, beruhigende Gedanken und gelassene Aufmerksamkeit im Einklang sind.

Warum Freitauchen Flow begünstigt

Beim Freitauchen ist Entspannung eine der Voraussetzungen. Gerade deshalb schafft dieser Sport ideale Bedingungen, um den Flow-Zustand zu lernen und bewusst zu erleben. Man ist gezwungen, einen eigenen Weg zu finden, mit diesem scheinbaren Paradox umzugehen: Leistung entsteht durch Entspannung.

Der Atem ist beim Freitauchen ein stetiger Fokuspunkt, was einen aktiven Parasympathikus grundsätzlich fördert. Viele Freediver haben Atemrituale und lernen sehr genau auf ihr eigenes Befinden zu hören. Diese Aufmerksamkeit für Körper, Atmung und Gedanken erleichtert es, in einen ruhigen und konzentrierten Zustand zu gelangen.

Praktische Wege in den Flow beim Freitauchen

Der Flow-Zustand beginnt an der Oberfläche, beim Freitauchen beginnen wir vor einem Tauchgang mit dem Breath-up. Eine ruhige Vorbereitung und vertraute Rituale helfen dabei, Puls und Gedanken zu beruhigen und den Körper in einen entspannten Zustand und ins Hier und Jetzt zu bringen. Jeder Freediver entwickelt mit der Zeit seinen eigenen Ablauf, der Sicherheit gibt und den Übergang in diesen mentalen Zustand erleichtert.

Unter Wasser geht es dann nicht mehr darum, etwas aktiv zu erreichen, sondern das anzunehmen, was gerade passiert. Gleichmässige Bewegungen, eine entspannte Körperhaltung und ein ruhiger Fokus helfen, diesen Zustand aufrechtzuerhalten.

Übertrag auf Alltag und andere Sportarten

Die Fähigkeit, unter Druck ruhig zu bleiben, ist auch ausserhalb des Freitauchens wertvoll. Atemkontrolle und gezielte Rituale können helfen, Stresssituationen im Alltag besser zu regulieren. Gleichzeitig verbessert ein ruhiger mentaler Zustand Konzentration, Koordination und Entscheidungsfähigkeit. Viele Sportarten profitieren ebenfalls davon, wenn Bewegungen entspannt und fokussiert ausgeführt werden. Deshalb nutzen auch Athleten aus anderen Disziplinen Atemübungen oder mentale Techniken. Freitauchen kann dabei ein sehr direkter Weg sein, diese Fähigkeiten zu trainieren.

Fazit

Freitauchen zeigt eindrucksvoll, wie stark Entspannung die Leistung beeinflussen kann. Ein ruhiger Körper arbeitet effizienter und verwendet Sauerstoff besser. Gleichzeitig hilft ein entspannter Geist, in einen Zustand von Fokus und Flow zu gelangen. Wer lernt loszulassen, taucht oft länger, ruhiger und mit mehr Freude. Diese Erfahrung lässt sich auch auf viele andere Bereiche im Leben übertragen.